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„Het kan wel."
„Es kann gelingen."
Der Slogan, mit dem Rob Jetten die niederländische Wahl 2025 gewann, trägt ein unverkennbares Echo in sich, fast eine wörtliche Übersetzung, des Optimismus von Barack Obamas erstem Präsidentschaftswahlkampf: yes, we can. Und es war nicht das Einzige, was Jetten sich für die linksliberale D66 von Obama lieh. Er stellte sich gegen Spaltung, ging auf Wähler zu, die ihm widersprachen, und wollte dem Land und seiner Regierung wieder positive Energie geben.
Das war ein Bruch mit der angestammten Rolle seiner Partei D66 als Partei der Elite. Zu oft hatte die Partei vor allem erklärt, warum etwas nicht ging, warum es keine andere Wahl gab, warum vor dem nächsten Populisten zu warnen sei, warum die Leute am Ende doch falsch lägen. Wie fast jede andere Partei der Mitte hatte sich D66 in den immer schmaleren Trampelpfaden verlaufen, die die niederländische Technokratie noch bot für die seit Jahren ungelösten Probleme. Die Partei war, wie so viele liberale und demokratische Parteien, weithin reaktionär geworden.
Die Wende kam unerwartet und in halsbrecherischem Tempo: D66, eine sozialliberale Partei, die noch nie eine Wahl gewonnen hatte, wandelte sich binnen Monaten vom besserwisserischen Eliteklub zur Sammlungsbewegung, in der die linke und die rechte Mitte zueinanderfanden. Denn endlich war Hoffnung im Spiel: darüber, was die Niederlande schaffen können.
Wie schnell dieser Wandel ging, lässt sich am Kalender ablesen. Erst im März 2025 erschien Abundance, das Buch von Ezra Klein und Derek Thompson. Wenige Monate später hatte D66 die dahinterliegende Philosophie, abundance gegen Knappheit, erkennbar in seinen Wahlkampf eingewoben. Ich vermute, Parteistrategen lasen das Buch und erkannten darin etwas, das Liberale einmal waren und längst verloren haben: eine revolutionäre, gestaltende Ideologie, die an den Fortschritt glaubt. Die Partei formulierte „Durchbrüche”: große Pläne und weite Horizonte, die einen Ausweg aus dem Stillstand bieten sollten, etwa der Bau von zehn neuen Städten.
Der Kern von abundance liegt darin, Politik entlang der Trennlinie zwischen abundance und Knappheit zu betrachten. Viel zu lange, argumentieren Klein und Thompson, habe sich Politik – progressive Politik eingeschlossen – auf Knappheit konzentriert: das Vorhandene verteilen, große Pläne blockieren, das Unmögliche betonen, sich hoffnungslos in einst gut gemeinten, aber unsinnigen Regeln verheddern. Genau dort sind die Liberalen in ganz Europa steckengeblieben. Sie verteidigen den alten Status quo gegen die gestaltenden Kräfte der radikalen Rechten und haben vergessen, dass Wandel nur Form gewinnt, wenn man ihn annimmt, nicht wenn man sich verzweifelt an eine Welt klammert, die seit einem Jahrzehnt verschwindet.

Drei Dinge machten Jettens Wahlkampf zum Bruch mit der Vergangenheit.
Die Flagge. Jetten zeigte sich mit einer großen niederländischen Trikolore im Rücken; D66-Mitglieder bekamen kleine Fähnchen in die Hand. Eine auffällige Wahl, denn ausgerechnet die europafreundlichste Partei hatte sich jahrelang nicht für die Flagge interessiert, die in der Zwischenzeit von der nationalistischen Rechten beansprucht wurde. Jetten rückte den Stolz auf das Land in den Mittelpunkt und holte sich das Symbol zurück. Er stellte Patriotismus gegen Nationalismus: der eine ist Stolz auf das eigene Land und auf das, was man kann, der andere etwas Erstickendes, das Menschen ausschließt.
Obamabundance. Jettens Wahlkampf atmete Vertrauen in das eigene Können und den Willen, Fortschritt und abundance zu schaffen. Damit stellte er sich gegen das Knappheitsdenken der radikalen Rechten wie gegen das technokratische Nichts-geht-Denken der Mitte. Zehn neue Städte, damit wieder alle irgendwo wohnen können. Bessere Bildung. Bezahlbare grüne Energie, selbst produziert. Die gesündeste Generation aller Zeiten. Den Vorwurf, solche großen Ziele seien unerreichbar, parierte er schlicht: Wer es sich nicht zum Ziel setzt, erreicht es ganz sicher nie. Ein ansteckender Optimismus.
Die Konfrontation und die ausgestreckte Hand. Als ein gewalttätiger Mob sein Parteibüro stürmte, nahm Jetten die Konfrontation an. Doch kurz darauf sprach er, live in einer der größten Talkshows des Landes, mit Jayden, einem Jungen, der gewaltfrei an der Demonstration teilgenommen hatte. Er nahm die Sorgen des Jungen ernst und zeigte: Uneinigkeit heißt nicht, dass man nicht mehr miteinander reden kann. So schlug er eine Brücke zwischen den beiden Polen der niederländischen Politik.
Zusammen machten diese drei Dinge Jetten zu etwas Neuem: zu jemandem, der den Wunsch, eine neue Welt zu bauen, mit den Werten der alten verband. Zu jemandem, der zeigte, dass man Gegner extremer Kräfte sein und zugleich die Sorgen der Menschen ernst nehmen kann.
Doch seine eigentliche Aufgabe beginnt erst jetzt, nach der Wahl. Jetten selbst sprach über die Bedeutung von Vibes: „Die Wahl geht weniger um rechts oder links, sondern darum, welchen Vibe man bei einer Partei spürt.” Und genau das war zum großen Teil sein Wahlkampf: den richtigen Vibe finden und das Land darin mitnehmen. So kann man eine Wahl gewinnen — aber kann man so auch ein Land führen und Durchbrüche erreichen? Er führt nun ein schwieriges Minderheitskabinett, das sich auf gerade einmal 66 Sitze stützen kann, eine Minderheit im Parlament. Die Mehrheiten für seine Durchbrüche muss er sich erst suchen, und sie werden ihm nicht von selbst zufallen.
Ich frage mich, ob dieser Vibe tief genug verankert ist, bei Jetten und in seiner Partei. Ist wirklich angekommen, was es heißt, eine Politik der abundance zu verfolgen? Durchbrüche tatsächlich erreichen zu wollen? Der Schritt, den Jetten und seine Partei jetzt gehen müssen, ist der vom Vibe zur Vision. Das Denken in Kategorien von abundance muss bis in die Kapillaren der Politik durchdringen, nicht nur den Ton eines Parteitags bestimmen. Er muss den Geist seines Wahlkampfs in die Art zurückkehren lassen, wie er und seine Partei die Niederlande führen: ohne Angst vor dem Scheitern, mutig im Ausprobieren, den Blick nach vorn, die größten Ziele setzen und nicht aufgeben — sich nicht im langsamen Räderwerk der niederländischen Kompromisspolitik verlieren —, ehe er sie, zum großen Teil, erreichen kann.
Gelingt ihm das, wächst Jetten vom erfolgreichen Wahlkämpfer zum echten Staatsmann. Und zum Vorbild für demokratische Parteien in ganz Europa.