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Ich mag es nicht, wenn man mich in Schubladen steckt, aber ich stelle mich ganz einfach vor: „Ich bin Philosophin.“ Wenn ich das zu jemandem sage, der nicht aus der akademischen Welt oder aus der Philosophie kommt, reagiert er oft, als wäre das das Seltsamste auf der Welt.

ævum: Wie würdest du beschreiben, was du tust?

Rebecca Lowe: Ich mag es nicht, wenn man mich in Schubladen steckt, aber ich stelle mich ganz einfach vor: „Ich bin Philosophin.“ Wenn ich das zu jemandem sage, der nicht aus der akademischen Welt oder aus der Philosophie kommt, reagiert er oft, als wäre das das Seltsamste auf der Welt. Aber meine beiden Eltern waren Philosophen. Für mich ist es der gewöhnlichste Beruf, den ich mir vorstellen kann.

ævum: Was hältst du von der Abundance-Bewegung?

Rebecca Lowe: Es gibt eine einfache Antwort, und in ihr spiegelt sich, dass Leute im Mitte-rechts-Spektrum in Ländern wie Großbritannien und Amerika seit Langem versuchen, anderen die Vorteile von Wirtschaftswachstum und die Kosten von Überregulierung verständlich zu machen. Nach dieser einfachen Antwort besteht die Abundance-Bewegung aus einigen Leuten auf der Linken, die zu verstehen beginnen, dass Wirtschaftswachstum in vielerlei Hinsicht gut ist. Und dass Überregulierung Menschen zurückhalten kann: nicht nur bei den finanziellen Chancen, sondern auch beim allgemeinen Wohlergehen und bei der Möglichkeit, ihr Leben auf innovative, aufregende Weise zu leben. Ich glaube fest an die Vorteile von Wirtschaftswachstum, und auch daran, dass Überregulierung es verhindern kann. Aber ich bin nicht sicher, wie interessant es ist, wenn ich wiederhole, warum Wirtschaftswachstum eine gute Sache ist oder warum die beste Art von Wirtschaftswachstum die ist, bei der Orte durch Innovation produktiver werden. Und natürlich sind nicht alle Dinge, die zu Wirtschaftswachstum führen, gute Dinge.

ævum: Was ist Fortschritt?

Rebecca Lowe: Ich denke, Fortschritt impliziert, dass man sich an einem Maßstab misst oder sich auf ein Ziel zubewegt. Es muss nicht immer heißen, dass man sich auf ein Ziel zubewegt; es kann auch einfach sein, dass die Dinge in irgendeinem Sinn besser werden, als sie waren. So oder so: Fortschritt ist nicht einfach eine Frage der Mehrheitsmeinung; es muss etwas Objektives geben. Typischerweise gehört zum Fortschritt der Zugang zu grundlegenden menschlichen Gütern – Dingen, die irreduzibel und objektiv gut für Menschen sind. In diesem Sinn bedeutet Fortschritt Zugang zu Errungenschaften, oft auch zu Wissen und wahrscheinlich zu Erfüllung.

Im Allgemeinen impliziert Fortschritt auch, dass er in einem moralischen Sinn das Gute befördert – oder zumindest nicht das Schlechte. Das heißt nicht, dass es sinnlos wäre zu sagen: „Er hat Fortschritte darin gemacht, ein besserer Auftragsmörder zu werden.“ Das ist ein ganz gewöhnlicher Satz. Aber wenn Menschen von Fortschritt im allgemeinen Sinn sprechen – wie die Leute in der „Progress-Bewegung“ –, dann implizieren sie, denke ich, dass moralisch zulässige Methoden im Spiel sind. Natürlich haben Menschen unterschiedliche Ansichten darüber, was als moralisch zulässig zählt. Da sind etwa der Konsequentialist, der eine Methode für in Ordnung hält, solange sie mehr Gutes hervorbringt, oder jemand wie ich, die denkt: Wenn dabei Rechte verletzt werden, zählt es nicht als zulässig. Aber wenn Leute sagen „Amerika hat Fortschritte gemacht“ oder „die Menschheit hat Fortschritte gemacht“, implizieren sie, denke ich, moralisch zulässige Methoden. Fortschritt in diesem Sinn ist moralized, wie der Philosoph sagen würde.

ævum: Warum haben so viele Menschen das Gefühl, die Welt habe aufgehört, Fortschritte zu machen?

Rebecca Lowe: Die Leute, die Dinge sagen wie „Ich würde lieber 1450 leben“ oder „Ich würde lieber 1890 leben“ – vieles davon ist, fürchte ich, einfach schlechtes Rechnen oder schlechte Geschichtskenntnis. Wenn man auch nur die letzten 20 Jahre zurückdenkt: Unser Alltag ist auf so viele Arten besser geworden. Nimm die medizinischen Fortschritte: Sie bedeuten, dass wir alle glücklicher und gesünder leben können, und zwar überall auf der Welt. Ja, natürlich ist das nicht gleich verteilt. Aber bei vielen, vielen wichtigen Markern dessen, was wir als menschlichen Fortschritt betrachten könnten – von Gesundheit bis zum Zugang zu Gütern und Dienstleistungen –, scheint es verrückt, das zu leugnen.

Ich würde allerdings sagen, dass ich eine gewisse Sympathie für die Idee habe, dass wir auf bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Ebenen eine Regression sehen. Politisch: Wenn man zum Beispiel quer durch Europa schaut, gibt es eindeutig einen Aufstieg der extremen Rechten. Aber es ist ein Missverständnis zu denken, dass kein Fortschritt gemacht worden ist, nur weil nicht alles gleich ist. Selbst der Mensch auf der Welt, der am wenigsten von diesem technologischen Fortschritt profitiert hat, hat profitiert.

ævum: Und mit Künstlicher Intelligenz?

Rebecca Lowe: Ich habe große Hoffnungen, was die Chancen angeht, die Menschen durch KI bekommen werden. Eine meiner Hoffnungen ist, dass das Grundniveau der Bildung steigen wird. Damit will ich nicht bestreiten, dass die klügsten, am besten ausgebildeten Menschen beim Dazulernen am meisten aus KI herausholen können. Aber meine Hoffnung ist, dass das Grundniveau steigen wird, und sei es nur um ein kleines bisschen. Und ich denke, das ist eine sehr beeindruckende Sache – was den Wert von Wissen als intrinsischem Gut angeht, und auch die Folgeeffekte, die wir sehen werden.

Ich glaube zum Beispiel fest daran, dass wir ziemlich bald faktisch ein Ende von Krankheit und Altern sehen werden. Das ist wahrscheinlich eine der radikalsten Überzeugungen, die ich habe, was das Gute angeht, das KI hervorbringen könnte. Ich sage nicht, dass das gesellschaftlich und kulturell nicht kompliziert wäre, aber das scheint mir einfach die erstaunlichste Zeit zum Leben zu sein. Ich denke das jeden Tag, mehrmals am Tag. Meine Freunde sind es wahrscheinlich leid, das von mir zu hören. Ich denke, das Gute, das entstehen wird – für die Menschheit, hoffentlich auch für die Tierwelt und, du weißt schon, sogar für die Aliens –, macht dies zu einer sehr aufregenden Zeit, am Leben zu sein.

ævum: Warum ist der Weltraum das am meisten unterschätzte Politikfeld?

Rebecca Lowe: Ich bin mir ziemlich sicher: Würde ich 40 Policy-Leute in Washington und 40 Policy-Leute in London fragen, der Weltraum stünde bei keinem von ihnen auf der Liste der 25 wichtigsten politischen Anliegen. Aber der Weltraum bietet erstaunliche wirtschaftliche Chancen. Und erstaunliche Chancen, Wissen zu gewinnen, und so vieles mehr. Auf der anderen Seite sehen wir auch schon jetzt, wie Weltraumtechnologie in Kriegen zum Einsatz kommt, und ich denke, viele Leute sind sich dessen nicht bewusst.

Für mich als Philosophin drängt sich die Weltraumpolitik geradezu auf als wichtiges Thema. Philosophen interessieren sich für das Staunen und das Unbekannte, und der Weltraum ist für beides paradigmatisch. Wobei ich vielleicht ein bisschen voreingenommen bin, weil ich Space einfach sehr cool finde.

ævum: Was ist mit den Opportunitätskosten der Weltraumerkundung?

Rebecca Lowe: Zunächst einmal denke ich nicht, dass es ein Nullsummenspiel ist. Der Fortschritt, den wir im Weltraum sehen können, kann irdischen Nutzen haben. Satellitentechnologie ermöglicht es uns zum Beispiel, etwas über die Arbeitslager der chinesischen Regierung zu erfahren, in denen Rechte verletzt werden. Sie kann uns auch helfen, mehr über den Klimawandel zu verstehen.

Davon abgesehen: Wenn die Milliardäre ihr Geld für den Weltraumfortschritt ausgeben, sind die Opportunitätskosten normalerweise nicht, dass sie sonst mehr für wohltätige Zwecke ausgeben würden – oder für dein persönliches Lieblingsprojekt, was immer das ist –, sondern wahrscheinlich, dass sie mehr Geld für Superjachten ausgeben würden. Wenn sie ihr Geld dafür raushauen wollen, das menschliche Wissen im Weltraum voranzubringen: Good times. Außerdem spenden viele dieser Leute ohnehin schon. Und, wie du weißt, bringt jede wirtschaftliche Aktivität Folgeeffekte mit sich. Weltraumunternehmen sind auf dieser Ebene wie jedes x-beliebige Unternehmen: Sie beschäftigen Leute, diese Leute geben Geld in der Wirtschaft aus, und die Unternehmen in der Lieferkette profitieren. Ich denke also, wieder einmal: Einige der Kritikpunkte sind einfach schlechte Mathematik.

Ich bestreite allerdings nicht – auch wenn heutzutage immer mehr Weltraumaktivität im Privatsektor stattfindet –, dass der Staat weiterhin stark involviert ist, besonders über große Beschaffungsaufträge.

ævum: Hast du die Sorge, dass der Bereich staatlich dominiert ist? Glaubst du, dass Weltraumerkundung die Grenzen der Menschheit erweitert?

Rebecca Lowe: Man muss sehen, wie viele sehr kleine Unternehmen, Start-ups und Scale-ups an der Weltraumwirtschaft beteiligt sind. Diese Unternehmen werden durch übermäßig belastende Regulierung behindert, die oft veraltet ist. Insofern ist das schon jetzt ein Thema für die Politik. Ich bin recht stark davon überzeugt, dass Innovation im Allgemeinen übermäßig zurückgehalten wird, auch wenn das nicht heißt, dass ich an gar keine Regulierung glaube. Ich wünsche mir also, dass sich mehr liberal und philosophisch gesinnte Leute in diesem Politikfeld engagieren.

Und ja, ich denke, der Weltraum ist eine besondere Quelle menschlicher Errungenschaften und menschlichen Fortschritts. Es gibt bestimmte Dinge, die wir nur wissen können, wenn wir im Weltraum sind. Es gibt bestimmte Arten von Erfahrung und Erfüllung, die wir nur bekommen können, wenn wir im Weltraum sind.

Die Tatsache, dass wir viele verschiedene Arten von Lebewesen auf der Erde haben und dass die Menschheit es geschafft hat, Maschinen zu bauen, die uns hinaus ins Universum bringen können, ist erstaunlich. Das zeugt von menschlichem Einfallsreichtum, von Hingabe und Innovationskraft.

Ich denke auch, dass die Weltraumerkundung uns durchaus die Gelegenheit geben könnte, andere Arten von Lebewesen im Universum zu entdecken. Das begeistert mich sehr. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Eines der Dinge, die mich am meisten begeistern – und vielleicht klinge ich damit overly cute, wie die Amerikaner sagen würden –, ist die Idee, Freundschaften mit anderen Arten von Lebewesen zu schließen und unsere technologischen Fortschritte zu teilen. Vielleicht können wir ihnen mit dem Alien-Krebs helfen, den sie haben. Mir fällt nichts in der wirklichen Welt ein, das für die Moralphilosophin aufregender wäre als: „Meine Güte, da ist eine ganz neue mögliche Kategorie von Lebewesen.“ In vielerlei Hinsicht ist der Weltraum eine besondere Quelle vieler Arten menschlicher Güter und womöglich der Güter vieler anderer Lebewesen.

ævum: Was ist mit Eigentumsrechten im Weltraum?

Rebecca Lowe: Ich bin recht stark davon überzeugt, dass der Menschheit nur sehr wenig Zeit bleibt, um herauszufinden, wie ein wirksames und moralisch gerechtfertigtes Eigentumsrechtsregime im Weltraum aussehen würde. Andernfalls werden wir Landnahmen sehen, Leute, die Ansprüche erheben, first come, first served. Wenn du, Sven, als Erster auf dem Mars ankommst und deshalb du, deine Kinder und deren Kinder und deren Kinder für immer die Kontrolle über den ganzen Mars habt, dann hat das moralische Implikationen und wirtschaftliche Opportunitätskosten.

Ich habe vor einigen Jahren in einem Papier für das Adam Smith Institute argumentiert, dass wir von Locke und Henry George lernen und einen besseren Weg finden können, das zu regeln. Aber wenn wir nicht dahin kommen, haben wir wahrscheinlich nur noch, was, ein Jahr, zwei Jahre, bevor die Leute mit der Landnahme anfangen. Amerika tut das über die Artemis Accords. Das ist eine sehr aufregende Gelegenheit für politische Philosophen, Rechtsphilosophen, Leute, die sich für Eigentum und Recht interessieren, darüber nachzudenken, was das bedeutet. Und möglicherweise gibt es da eine ganze Menge zusätzlichen Wert, der sich auf moralisch einwandfreie Weise schaffen lässt. Good times!

ævum: Was kann uns dieser reale Naturzustand über Eigentum auf der Erde lehren?

Rebecca Lowe: Die meisten politischen Philosophen der letzten 400 Jahre, die über Eigentum nachgedacht haben, haben sich sehr für die Idee der initial acquisition, der ursprünglichen Aneignung, interessiert: die Idee, etwas zu besitzen, das niemand anderes zuvor besessen hat. Aber auf der Erde gibt es so etwas seit Langem eigentlich nicht mehr. Im Weltraum dagegen kann man rechtlich nichts besitzen. Der Weltraumvertrag verbietet nationale Aneignung, zumindest im physischen Bereich, auch wenn die Juristen sich darüber streiten, was das bedeutet. Und es ist schwer zu behaupten, dass irgendjemand ein moralisches Recht auf irgendetwas im Weltraum hat, abgesehen von ein paar wenigen Fällen der Art „Soundso ist hier gelandet, vielleicht will er einen Anspruch erheben“.

Für diejenigen von uns, die sich für die Theorie des Gesellschaftsvertrags interessieren, für die Idee, dass Eigentumsrechte aus bestimmten Arten von Tätigkeit entstehen, und für die Relevanz der Frage, wer wo gewesen ist, ist der Weltraum wie ein unbeschriebenes Blatt: eine Gelegenheit, neu darüber nachzudenken, wie sich einige dieser großen philosophischen Theorien über Eigentum anwenden lassen.

ævum: Arbeitest du noch an deinem Buch über Utopia?

Rebecca Lowe: Ich arbeite noch daran, aber ich habe es ein wenig zurückgestellt, weil ein anderes Projekt daraus hervorgegangen ist: Ich habe ein kurzes Buch über Redefreiheit so gut wie fertig geschrieben. Ich denke auch, dass es das Substack-Zeitalter mit sich bringt, dass es im Moment eine sehr wertvolle Sache für mich ist, regelmäßig zu schreiben, gut zu schreiben, kurze Stücke öffentlich zugänglicher Philosophie zu schreiben.

Meine allgemeine Sicht auf Utopia ist, dass wir nicht sehr viel darüber wissen können, weil die Utopier das Recht haben, vieles von dem zu bestimmen, was in Utopia geschieht. Aber wir können einiges ausschließen und einiges einschließen. Bei einigen Themen, über die ich nachgedacht habe, wie Eigentumsrechten oder Gefängnissen, könnte eine Antwort lauten: „So etwas darf es nicht geben“, aber: „Hier ist die Menge der Optionen, über die die Utopier entscheiden können sollten.“ Was Eigentumsrechte angeht, ist mein ambitioniertestes Argument: Wenn es dir moralisch erlaubt ist, einen Apfel zu essen, dann gibt es einen Sinn, in dem du zulässigerweise alle anderen ausschließen kannst – du hast ausschließenden Zugang zu ihm. Der Ausschluss bringt uns zum Kern dessen, was ein Eigentumsrecht ist. Und ich komme zu dem Schluss, dass du, wenn du einen Apfel essen darfst, gewisse Eigentumsrechte an dem Apfel hast. Es ist philosophisch dicht und ambitioniert, aber ich denke, es ist eines der umfassendsten Argumente, die ich vertrete. Jemand könnte sagen: „Na ja, das sagt uns nicht sehr viel.“ Aber ich denke, man kann darauf aufbauen.

Noch etwas, zu meinen demokratischen Neigungen: Ich denke, wenn umfassende private Eigentumsrechtssysteme – also die Art von System, die Menschen Zugang zu vielem verschafft, was sie wollen, und auch zu dem, was sie brauchen, wie den Apfel essen zu können – wenn ein solches System moralisch zulässig ist, dann sollten die Utopier das Recht haben, sich dafür zu entscheiden. Meine Vermutung: Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich zumindest einige der Utopier für so etwas entscheiden werden, weil wir wissen, dass Privateigentumssysteme massive Vorteile mit sich bringen, was Produktivität und Allokation angeht. Und was die Knappheit angeht, würde ich sagen: Selbst wenn man unendlich viele Exemplare all der Dinge hätte, die man sich wünschen könnte, hätte man immer noch Bedarf an Allokation. Sagen wir, es gibt unendlich viele Kuchen, aber meine Oma hat einen Kuchen gebacken. Das ist zufällig der, den du willst, aber ich will ihn, weil meine Oma ihn gebacken hat. Wir werden uns irgendetwas einfallen lassen müssen, um zu klären, wer von uns beiden den Kuchen bekommt. Und private Eigentumsrechtssysteme helfen, Produktivität zu ermöglichen und solche Fragen zu klären – etwa zwischen konkurrierenden Ansprüchen zu entscheiden. Ich denke also, es ist sehr wahrscheinlich, und es ist zulässig, und es ist – wegen meines Apfel-Arguments – beinahe unvermeidlich, dass es in Utopia Eigentumsrechte geben wird.

ævum: Was ist mit menschlichem Leben im Weltraum?

Rebecca Lowe: Eines der schönen Dinge an der Erde ist – und wir können darüber streiten, in welche Richtung die Kausalität geht –, dass sie sich anfühlt, als wäre sie sehr passend für uns Menschen entworfen. Vielleicht hat Gott sie so entworfen, oder vielleicht haben wir einfach diese Präferenzen entwickelt, weil es das ist, was wir haben. Aber ich kann ins Meer schwimmen gehen, du kannst auf einen Berg steigen, Kinder haben Platz, um auf den grünen Wiesen zu spielen. Wir wissen, dass es anderswo nichts davon gibt, zumindest nicht an den nahe gelegenen Orten im Universum. Und irgendeines dieser gewöhnlichen Dinge zu tun, wird in vielerlei Hinsicht aufwendig sein, nicht nur finanziell.

Ich bin eine große Anhängerin der Auffassung – ich bin eine große Techno-Optimistin, was auch immer das heißt –, dass wir all diese Probleme lösen können. Mich beschäftigt also weniger die Frage: „Werden wir je einen Weg finden, auf dem Mond zu atmen?“ Ich bin keine Wissenschaftlerin, aber ich glaube fest an menschlichen Einfallsreichtum und Innovation. Wenn wir es geschafft haben, in den Weltraum zu kommen, schaffen wir es wahrscheinlich auch, ihn zu kultivieren. Trotzdem denke ich, dass die natürlichen Beschränkungen es für die Menschheit deutlich weniger vorteilhaft machen könnten, ihre Zeit im Weltraum zu verbringen. Mich interessieren eher Dinge wie: mehr über das Universum zu lernen und medizinische Experimente durchzuführen, damit wir das Leben auf der Erde verbessern können.

Eine letzte Sache, die ich erwähnen möchte, ist die Zunahme von Aggression mit den Mitteln der Weltraumtechnologie. Wenn der Bedarf an Weltraumverteidigung steigt, impliziert das, dass es Weltraumaggression gibt. Ein Grund, warum gute Liberale in die Weltraumpolitik einsteigen sollten, ist, dem aggressiven Gebaren vieler Weltraumakteure etwas entgegenzusetzen. Und ich meine damit nicht nur autoritäre Führer – es gibt gewisse Anzeichen, dass manche Milliardäre in den Weltraum wollen, weil sie dort ihre eigene Gesellschaft gründen und andere aussperren möchten. Ich will keine Predigten halten, aber ich denke, wir sollten der aggressiveren Weltraumtechnologie entgegentreten, und ich habe kein Interesse daran, zu dominieren – oder dass die Menschheit das Universum dominiert. Ich habe Interesse daran, dass wir uns mit anderen Arten von Lebewesen im Weltraum anfreunden. Und mich interessieren die epistemischen Chancen des Weltraumfortschritts sehr. Ich will also den Wunsch zu dominieren vom Wunsch, mehr zu lernen, trennen.

Das Interview führte Sven Gerst, editiert von Marius Drozdzewski.