Dark Liberalism?
Frühjahr 2026Über die dunklen Wahrheiten, die Liberale ernst nehmen müssen.
- Kampf um die Freiheit
Die Schlacht um Begriffe und ihre Bedeutung wird jeden Tag geführt – online, vor Ort und in akademischen Debatten. Wir Liberale aber verschlafen sie oft, viel zu gutmütig freuen wir uns über jeden, der uns und den eigenen Vordenkern ein wenig Aufmerksamkeit schenkt. Klar, beim Lesen dieser Beschäftigungen ärgern wir uns dann über Ungenauigkeiten – hinter denen aber sicher keine Absicht steckt.
- Führe uns nicht in die Wut-Versuchung!
„The Dark Knight“, der zweite Teil der legendären Batman-Trilogie von Christopher Nolan, erzählt nicht nur die Geschichte von Joker, sondern auch die von Harvey Dent. Der Sunnyboy-Staatsanwalt mit dem höchstmöglichen Idealismusfaktor möchte das verkommene Gotham City aus dem Griff von Kriminalität und Korruption befreien.
- Sisyphos gegen Zarathustra
Wer über die Gretchenfrage des Liberalismus spricht, impliziert in der Regel die von Isaiah Berlin ausgerufene Unterscheidung zwischen „positiver“ und „negativer“ Freiheit, zwischen einer negativen Freiheit von und einer positiven Freiheit zu. Auf jener Skala, die sich an genannten Vorzeichen aufzieht, kann man Hayek und Rawls, Dahrendorf oder Shklar recht zielgenau einordnen - und sich obendrein gleich seiner selbst vergewissern.
- Dunkle Wahrheiten für Liberale
Das Jahr 2026 hat mit einem Handstreich begonnen: Die Entführung Nicolas Maduros durch US-Spezialkräfte erfolgte nach einem wenige Wochen vorher in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie veröffentlichten Playbook, das Lateinamerika zur Einflusssphäre und höchsten Priorität der amerikanischen Außenpolitik erklärt hat.
- Die Zweischneidigkeit des Prometheus
Es ist eine kurze Rede, die Peter Thiel 2016 beim Parteitag der Republikaner hält. Kurz nach Beginn erlaubt er sich einen beiläufigen Witz über Hillary Clinton, nur um dann vom Jubel des Publikums unterbrochen zu werden. Thiel lächelt kurz, ein wenig verlegen, als sei es ihm noch unangenehm, auf diese Weise Applaus einzusammeln.
- Der Liberalismus und seine falschen Freunde
Auch unter Liberalen gibt es diejenigen, die in der Neuen Rechten Mitstreiter im Kampf gegen den linken Zeitgeist sehen. Dabei übersehen sie, dass die vermeintlichen Partner in Wahrheit falsche Freunde sind.
- Das Ende von Etwas
Ich sitze hier in Zypern, zum vierten Mal in meinem Erwachsenenleben in ein neues Land gezogen, und denke an jene Person zurück, die ich mit 19 war – nerdig, bücherversessen, fasziniert von Mises, Rothbard und Hayek. Bis ich 17 oder 18 war, kannte ich niemanden sonst, der sich für diese Ideen interessierte.
- Postliberale Zeiten
„Only through a repair of time can we move toward a repair of the nation.”
- Musk: Der Mann als Metapher
Elon Musk ist schwer zu ignorieren und noch schwerer zu verstehen. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff unternehmen daher in „Muskismus” gar nicht erst den Versuch, ihn verstehen zu wollen, zumindest nicht als Person. Musk, so die These, ist weniger Person und mehr Symptom. Sie lesen ihn also als Verkörperung einer Ideologie, die ihre ganz eigene Logik hat und die weit über einen einzelnen südafrikanisch-amerikanischen Milliardär mit Weltraumambitionen hinausweist.
- Freiheit oder Feudalismus?
Mit Trumps Wiederwahl stehen plötzlich nischige Ideen aus libertären Silicon Valley Kreisen im Rampenlicht der Medien. Über die exotischen Ideen von Monarchismus und Libertarismus, die durch Peter Thiel und Curtis Yarvin über J.D. Vance, David Sacks und Elon Musk mitten in die US-Regierung getragen wurden, wurde viel geschrieben.
- Die moralische Autorität von '76
Einige Jahre zuvor war Smith Professor an der Universität Glasgow geworden. Sein Ruf wuchs beträchtlich nach 1759, als er im Alter von 36 Jahren The Theory of Moral Sentiments veröffentlichte. Es war ein Buch über Tugend; das heißt, ein Buch über unsere Pflichten, moralisch besser zu handeln.
- Warum die These vom Ende des Liberalismus falsch ist
Es ist etwas still geworden um Patrick Deneen. Der wohl prominenteste Denker des Postliberalismus hat sich in den vergangenen Monaten auffallend wenig geäußert. Für den kommenden Juli ist ein neues Buch angekündigt – diesmal soll es nicht um den Liberalismus gehen, sondern um Homers Odyssee und die Frage, was dieser Mythos über den Zustand der US-amerikanischen Seele verrät.
- Wessen Freiheit?
Dass ein Riss durch die deutsche Liberale-Szene geht, registrierte ich zum ersten Mal Mitte der 2010-Jahre. Liberale Debatten wurden damals auf Facebook geführt, hier suchte man Gleichgesinnte, Resonanz, aber auch den inhaltlichen Streit.
- Die Freiheit der Vielen
Die zurückhaltende bis skeptische Haltung, die in liberalen Kreisen regelmäßig gegenüber majoritärer Herrschaft gepflegt wird, ruht auf einem vorpolitischen und eng gefassten Freiheitsverständnis. Dabei wird verkannt, dass repräsentative, mehrheitsdemokratische Herrschaftsformen als wohl einzige die faktischen Bedingungen modernen gesellschaftlichen Lebens mit dem Gedanken weitestmöglicher Selbstbestimmung zusammenzubringen vermögen.
- Die Neoreaktion ist tot, aber Yarvin lebt
Es gibt politische Theorien, die entstehen in Universitäten, begleitet von Fußnoten, Forschungsstipendien und einem gewissen Geruch von 70er-Jahre-Teppichboden. Und es gibt politische Theorien, die entstehen nachts um halb drei im Internet, zwischen Kommentarsektionen, Blogposts und dem festen Glauben, dass die Welt vor allem deshalb schlecht funktioniert, weil ihre Institutionen strukturell falsch programmiert sind.
- Als der Liberalismus das Fischen verlernte
Der Liberalismus war gerade dort erfolgreich, wo er, einem alten Sprichwort folgend, den Menschen das Fischen lehrte. Doch die neuesten Ideen des liberalen Lagers vergessen diese historische Lektion und werfen mit Fisch um sich. Statt Regeln für gemeinsame Entscheidungsfindung anzubieten, ist gerade Dezisionismus en vogue.
- Mehr Habermas-Schüler als Hayeks Bastard
Die Kurzfassung: Sein erstes Buch *Globalists* ging Slobodian noch als verwirrter, aber relativ ehrlicher Forscher an, der sich in ein Material einarbeitete, das er nicht verstand.
- Dark Liberalism
»Der Liberalismus ist tot. Und es waren die Liberalen, die ihn umbrachten.«
- Auf die Barrikaden gegen die Macht
Die deutsche Freiheitsbewegung sitzt im Bewerbungsgespräch. Frage: „Was ist Ihre größte Schwäche?“ Antwort: „Nach den letzten Jahrzehnten bin ich vielleicht etwas zu sehr verwöhnt vom Erfolg. Außerdem [versucht vergeblich bescheiden zu lächeln]: Ich gebe es zu, meine Persönlichkeit ist sehr anspruchsvoll und vielschichtig.
- Peak Postliberalism
Als ich zu Beginn des Jahres von Polity Press gleich zwei Bücher zum Thema Postliberalismus zur Rezension zugeschickt bekam, war ich zunächst etwas überrascht. Irgendwie schien mich die Zeit eingeholt zu haben: Hatte Adrian Pabst nicht erst 2020 den „post-liberalen Moment“ ausgerufen?